Entstehungsgeschichte "Der Dämon von Naruel"

 

Ursprünglich eine Kurzgeschichte

Von der Idee bis zum fertigen Taschenbuch sind mehr als 10 Jahre vergangen. Aber ich fange am besten ganz von vorne an:

Durch meine Tante habe ich damals meine Leidenschaft für‘s Lesen entdeckt. Leider störte mich immer etwas an den Geschichten in den Büchern, ich war nie ganz zufrieden damit. Deswegen habe ich mich irgendwann einfach selbst daran versucht, Geschichten zu schreiben, mit der Intention, eine zu erschaffen, die mir persönlich rundum gut gefällt. Spannend sollte sie sein, actionreich, fantastisch und unverschönt. Und damit legte ich den Grundstein für „Der Dämon von Naruel“ (damals noch unter einem anderen bzw. gar keinem Titel).

Damals sollte das Ganze nur eine (Kurz-) Geschichte werden, die mit dem Sprung der Protagonistin ins Ungewisse offen endet. Der Prolog und die Geschichte um die Halbgötter und den Dämon Cragorin existierten noch nicht, ebenso wenig Erklärungen, warum die Dinge in Naruel so sind wie sie sind.

 

Die Idee wächst

Als ich die letzten Seiten bis zum ursprünglichen Ende geschrieben hatte (heute weniger als 10 % der Gesamtgeschichte), war ich natürlich unglaublich stolz, etwas eigens geschaffen zu haben. Doch die Geschichte hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Ich wollte Erklärungen, mehr von der Welt Naruel „sehen“ und die Geschichte um die Abenteuer der Protagonistin nicht abreißen lassen.  

Also habe ich begonnen, mir diese Erklärungen selbst zu geben.

Warum existieren Verfluchte Früchte in Naruel? - Weil ein böser Dämon sie einst verunreinigt hat! Warum hat er das getan? – Um die Menschen zu vernichten! …

Nach und nach hat sich die Rahmenhandlung um diesen Dämon aufgebaut. Ziel der Protagonistin sollte es sein, eben jenen an seiner Rückkehr zu hindern und damit Tod und Unglück zu entgehen. Ein echtes High-Fantasy-Epos eben.

Aber warum kehrt der Dämon überhaupt von irgendwo zurück? - Weil zwei Halbgötter ihn vor langer Zeit verbannt hatten!

So setzte sich die Geschichte über Jahre hinweg Stück für Stück zu etwas viel Größerem zusammen und wuchs, reifte, gewann an Tiefe,…

Das Ende der Geschichte war mir bereits relativ früh klar, doch bis dahin sollte es ein weiter Weg für meine Protagonistin sein, denn sie müsste dafür eine Wandlung durchlaufen, Verbündete, und vor allem sich selbst finden.

Da sie viele Jahre ihres Lebens nur eingesperrt war, kannte sie die Wunder Naruels ebenso wenig wie ich und so haben wir den Kontinent gewissermaßen zusammen erkunden können.

 

Warum das Buch ist wie es ist

Das Schreiben und Feilen an der Geschichte wurde zu meinem größten Hobby. Selbst in der Schule habe ich an Skizzen zu Figuren oder Orten gearbeitet, meistens auf der Rückseite von Arbeitsblättern. Ich habe Karten gezeichnet, Kalendersysteme entworfen, Mythen und Hintergründe der Geschichte ausgetüftelt, und und und…

„Irgendwann“, dachte ich mir, „irgendwann hast du ein Buch zusammen, das dich wirklich begeistert, so wie du es dir wünschst.“ Mich hat es nämlich schon immer genervt, wenn die eigentliche Geschichte eines Buches irgendwann von einer überflüssigen Lovestory verdrängt wurde, deswegen steht so etwas bei „Der Dämon von Naruel“ absolut im Hintergrund. Gerne kann irgendwer in irgendwen verliebt sein, aber die Hauptbühne ist dafür nicht vorgesehen.

Ebenso störte es mich, wenn es in Geschichten zuging wie auf einem Ponyhof. So ist das Leben nun mal nicht! Es klappt nicht immer alles auf Anhieb, manchmal muss man erst etwas in die falsche Richtung laufen, um den rechten Weg zu finden. Deswegen durfte sich der rote Faden in meiner Geschichte gern auch mal nach rechts oder links schlängeln. Denn eine Geschichte, die absolut geradlinig verläuft und nur Dinge beschreibt, die zum Endziel führen, finde ich persönlich langweilig und starr. Natürlich sollte man nicht zu sehr abschweifen, aber ich denke, da habe ich eine gute Mischung gefunden.

Als ich mit „Der Dämon von Naruel“ begonnen habe, habe ich nicht nachgeschlagen, was welchen Erzähler ausmacht und was er von den Figuren und der Geschichte wissen darf, sondern einen eigenen Stil gefunden, der es mir als Erzähler möglich macht, stellenweise mit den Figuren zu verschmelzen und dadurch deren Gefühlswelten subtiler an den Leser zu bringen.

Ich hielt auch nie viel von strikten Grenzen und Lehrbüchern, die mir erklären, wie ich eine perfekte Geschichte zu erzählen habe. Ich habe einfach das aufgeschrieben, was mir gefallen hat und so, wie es für mich schön klang.

 

Unterstützung durch Andere

Nach vier Jahren setzte ich den Schlusspunkt unter den Epilog, damals war ich achtzehn und absolut überzeugt von meiner geschaffenen Welt. Ich habe mich mit meiner Geschichte bei zahlreichen Verlagen beworben, aber niemand hatte Interesse und so erschien der Traum vom eigenen gedruckten Buch noch immer weit entfernt.

Glücklicherweise erzählte mir ein Brieffreund von einer Internetseite, die ein Buch für den privaten Gebrauch drucken könnte (lulu.com). Natürlich habe ich diese Möglichkeit wahrgenommen. Es war ein überwältigendes Gefühl drei Wochen darauf das eigene Buch in der Hand zu halten, auch wenn ich die Schriftgröße so klein einstellen musste, dass man kaum etwas lesen konnte. Der Ausdruck war leider auf 800 Seiten beschränkt und meine Geschichte damals schon viel länger.

Dieses gedruckte Buch ging auch an besagten Freund, der mein erster (richtiger) Leser und Fan der Geschichte wurde. Bis dahin war ich sehr zurückhaltend mit meinem Geschreibsel gewesen und hatte höchstens Mal ein paar Schnipsel des Textes für eine Rückmeldung an zwei Schulfreunde gegeben. Vielleicht war ich so zurückhaltend, weil ich damals schon wusste, dass der Text noch etwas Politur vertragen konnte, vielleicht auch, weil es niemanden so richtig interessiert hat und Rückmeldungen nur in Form von einem höflichen „Gefällt mir ganz gut!“ zurückkamen. Konstruktive Kritik oder ehrliches Interesse an der Geschichte gab es leider viel zu wenig.

Meine Eltern haben beim Schreibprozess sogar eine eher kontraproduktive Rolle gespielt. Ich glaube, sie haben das stundenlange Schreiben am Computer und Skizzieren von Fantasywesen als Zeitverschwendung und Unsinn abgetan.

Ich erinnere mich noch, dass meine Mutter immer nach einer Stunde „Internetaufenthalt“ den Router ausgestellt hat, weil ich ihr zu viel im Internet „gespielt“ habe. Dass ich nicht irgendetwas Blödsinniges gespielt, sondern Recherchearbeit für mein Buch betrieben habe, wollte niemand hören und so musste ich Dinge wie das Nachschlagen nautischer Begriffe oder Waffenkunde oft auf den nächsten Tag verschieben.

Es gab ein paar nette Seelen, die mir und meiner Geschichte aufmunternd zugelächelt haben, aber eine Hilfe war das nicht wirklich. Nein, im Großen und Ganzen stand ich mit meinem Buch immer allein.

 

Der Weg zur Veröffentlichung

Es folgten ein paar sehr stressige Jahre: erste eigene Wohnung, Schulabschluss, Umzug, Lebenskrisen, weitere Umzüge…

Nach weiteren vier Jahren, in denen meine Kreativität zu Asche zerfallen schien, hatte ich wieder Stabilität in meinem Leben gefunden und die Textdatei von „Der Dämon von Naruel“ hervorgeholt. Auch wenn kein Verlag Interesse gezeigt hatte, ich wusste, dass die Idee gut war. Und so habe ich den Text noch gefühlte zehn Mal gründlich überarbeitet: Hier ein paar Szenen abgeändert, dort etwas gestrichen, geschliffen, poliert, etwas hinzugefügt, feinere Formulierungen gewählt, treffendere Beschreibungen benutzt, ... Ich konnte viele Gefühle durch gemachte Erfahrungen besser ausdrücken und habe immer wieder an der Geschichte gefeilt, bis sie meinen mit den Jahren gestiegenen Ansprüchen genügte.

Den Überarbeitungsprozess kann man in etwa mit der Landkarte der Welt vergleichen, die ebenfalls immer ausgereifter wurde.

Inzwischen waren Selfpublischer-Plattformen publik geworden und ich hatte die Möglichkeit, meine Geschichte als eBook zu veröffentlichen, ganz ohne Verlag.

In erster Linie ging es mir dabei um Rückmeldungen. Da die Verlage ständig abgesagt hatten, wollte ich wissen, was denn nicht mit der Geschichte stimmte.

Also habe ich den Anfang des Buches im Herbst 2013 als kostenlose Leseprobe bei Bookrix.de eingestellt und die Reaktionen waren gut bis sehr gut.

Ich beschloss, die Geschichte in vier Teile zu spalten, um mich langsam mit der Veröffentlichung voranzutasten. (Wer kauft schon einen 325.000 Worte Wälzer von einem absolut unbekannten „Autor“?) Eine Paranoia vor Internet-Piraten hat auch dazu beigetragen, dass ich nicht gleich alles Pulver verschießen wollte, außerdem befanden sich der Großteil der Geschichte mal wieder ein einer Überarbeitungsphase.

Ich habe zunächst überlegt, den ersten Teil als Gratis-eBook anzubieten, doch dafür hatte ich inzwischen zu viel Arbeit, Zeit und Herzblut, in „Der Dämon von Naruel“  investiert. Dazu zählte nicht nur die Geschichte allein: Ein halbwegs ansehbares Cover musste her, eine eigene Schriftart für den Titel generiert, ein Klappentext geschrieben werden, etc.

Im Frühjahr 2014 habe ich mich dafür entschieden, den ersten Teil des Buches als eBook über Bookrix zu verkaufen und musste feststellen, dass viele Leute nur lesen, solange es kostenlos ist. Nur die wenigsten waren bereit 2,49 Euro für knapp 300 Seiten Leseabenteuer zu bezahlen.

Ich beschloss, erst einmal auf Reaktionen zu warten und inzwischen weiter an der Überarbeitung der Folgeteile zu arbeiten.

Ein Jahr später bin ich mit der Veröffentlichung des zweiten Teils zu Neobooks gewechselt, da dieser Anbieter mehr Komfort und Professionalität versprach. Doch diese Plattform erwies sich ebenfalls als ungeeignet für meine Ansprüche.

 

Das gedruckte Buch

Im Juni 2015 stieß ich auf Books On Demand, einen Anbieter, der gegen eine verschmerzbare Gebühr von 19 € auch eine Taschenbuchausgabe an die Leserschaft bringt. Sofort habe ich dieses Angebot genutzt, schließlich war die Veröffentlichung als eBook eher eine Notlösung, da einfach die Verlagsunterstützung zur „richtigen“ Publikation gefehlt hat.

Seit dem veröffentliche ich die Teile meiner Geschichte über Books on Demand. Teil 1 und 2 kann man nach wie vor als eBook kaufen. Nachdem diese aber hin und wieder mal auf Piratenplattformen aufgetaucht sind, habe ich mich dafür entschieden, Teil 3 und 4 nur noch als Taschenbuch zu veröffentlichen. Es tut mir einfach in der Seele weh, wenn ich sehe, wie kostenlose Downloadlinks für ein Buch gepostet werden, an dem ich Jahre meines Lebens gearbeitet habe.

Im Dezember 2016 habe ich die letzten Überarbeitungen des vierten Teils vorgenommen. Er wird im Frühjahr 2017 im BoD-Sortiment erscheinen und damit den Veröffentlichungsprozess meines Buches abschließen.

Die ursprüngliche Länge der Geschichte weiß ich nicht mehr (irgendwo existiert vermutlich noch eine Diskette mit der allerersten Version), aber mit den zahlreichen Überarbeitungen ist sie inzwischen auf 345.000 Worte angewachsen.

 

Ich spiele heute mit dem Gedanken, nur für mich selbst ein Monstrum an Buch drucken zu lassen, mit den stolzen Maßen von 19 x 27 cm und 600 Seiten. Allein die Produktionskosten betragen bei BoD 35 Euro für ein Hardcover dieser Maße, und ich bin sicher, dass niemand bereit wäre, so eine Summe für das unlektorierte Werk eines Unbekannten zu bezahlen. Deswegen wird es vermutlich ganz allein in meinem Regal stehen. Aber ich werde es mit Stolz anblicken können, weil ich weiß, dass dies ganz allein mein Werk ist. Vom Cover über Karten- und Schriftartdesign bis zu jedem noch so kleinem Buchstaben. Das, was ich mir vor so langer Zeit erträumt habe, werde ich dann endlich als Ganzes in Händen halten können und darauf freue ich mich schon jetzt.